Freitag, 20. Oktober 2017

Die Geschichte der Wälder IV

„Es hat keinen Sinn, ich muss weg.“
„Aber jetzt gehen die Festtage los, die kannst du doch nicht verpassen!“
„Es gibt wichtigeres als Feste, und die könnt ihr nicht mehr feiern, wenn ihr tot seid!“ Breon prüfte sein Schwert und steckte es zufrieden weg.
„Sowieso halte ich diese vielen Feiern nichts. Am Ende kommen die Goblinarmeen noch, weil sie von euren Festen gehört haben.“
Er stieg auf sein Pferd auf.
„Wie auch immer, ich komme wieder.“
„Naja, dann viel Spaß in Meloson oder wo auch immer du hingehst.“
Ohne Antwort ritt Breon weg, aus dem Dorf auf die weite Ebene der Südlande. Jemo blickte dem kleinen Punkt am Horizont noch lange hinterher, wie er auf die hohen Berge von Racé zuritt.
Dahinter war irgendwo Melosan, die Festungsstadt des Südens. Geschützt hinter ihren großen Mauern, ihren goldenen Türmen, zwischen den unüberwindbaren Gebirgen, die die Grenze der Welt darstellten…
Nichts konnte diese Stadt einnehmen, nicht einmal die alten Könige hatten das geschafft. Er stellte sich die Häuserreihen vor, die Reihen an Soldaten auf den Mauern, und dann beschloss er, dass er unbedingt dorthin müsse.
Als er nur noch die blass-graue Felswand sehen konnte, stand er auf.
Dies war keine Zeit des Abschieds, hier würde etwas beginnen. Das spürte er. Bloß was, das war ihm nicht klar. Er begnügte sich damit, zu den restlichen Feiernden ins Dorfzentrum zu gehen.
Doch auch die einst lustigen Vorstellungen einiger Einwohner konnten ihn nicht mehr begeistern. Er musste die ganze Zeit an die Stadt denken, an die hohen Häuser und manchmal kam ihm der Gedanke von Goblins in den Kopf.
Eine Gruppe Einwohner vor ihm brach in Lachen aus, und sofort kam Jemo ins hier und jetzt zurück.
Er sah sich nach Tevi und Arro um und entdeckte sie bei den großen Bierfässern. Als er bei ihnen angekommen war, bot Tevi ihm einen Krug an.
„Hier, wo warst du denn? Wir brauchen dich doch hier!“ Er lachte. „Alleine bekommen wir das doch gar nicht alles leer!“
Jemo nahm den Krug an und füllte sich auf.
„Ich war noch bei Breon. Er hat das Dorf verlassen. Wohl um nach Meloson zu reiten oder so. Will um Soldaten bitten, glaub ich.“
„Ach, der. Der erreicht doch eh nichts. Die Könige hören doch nicht auf irgendwelche Zauberer aus dem Norden.“ Wieder kicherte er. „Die sind doch viel zu beschäftigt mit ihren Frauen und Militärparaden und was die sonst noch machen. Da haben die keine Zeit, sich um uns zu kümmern!“
Tevi nickte. „Wann haben die sich jemals um uns gesorgt? Die kennen ja noch nicht mal ihr Reich, wie sollen sie da irgendetwas erreichen.“
„Lassen wir das“, sagte Jemo und trank seinen Krug aus. „wechseln wir doch zu einem besseren Thema.“
Von da an redeten sie nur noch über die Mädchen des Dorfes oder die Qualität des Biers.

Die Südlande waren eigentlich nur an ihren Rändern wirklich besiedelt. Wenn man ungefähr wusste, wo die nächste kleine Stadt war, konnte man sich einen guten Weg suchen. Leider gab es in diesem Teil keine Städte.
Und so musste Breon sich seinen Weg an Wäldern, Schluchten, vereinzelten Dörfern und immer an der rohen Felswand zu seiner Rechten vorbei suchen.
Er war froh, als schließlich die ersten Wachtürme vor der Südfeste, Redi Melosino, zu sehen waren. Er fragte die Soldaten nach dem Weg und am Mittag des folgenden Tages kam er an den hohen Mauern an.
Von da an war es eigentlich noch ein halber Tagesritt bis zum Tor, aber er mietete sich ein Zimmer in einem Gasthaus.
Es war nicht schön, aber günstig und sah nicht zu ranzig aus, was ihm reichte.
„Also eine Nacht mit Essen?“
Breon nickte.
„Dann 30 Goldmünzen bitte.“
Breon reichte ihm das Geld, nahm sich den Eisenschlüssel und setzte sich an einen Tisch.
Eine Kellnerin kam vorbei und fragte ihn, ob er etwas trinken wolle. Er bat um Bier und Brot, vielleicht auch Suppe, falls das da wäre.
Die Frau nickte und verschwand.
Breon blickte auf eine Gruppe Männer, die am Nachbartisch saßen und versuchte zu verstehen, was diese redeten.
„Die Soldaten werden auch immer dreister mit dem Durchlassen. Ich musste fast die Hälfte meiner Waren abgeben, und auch dann haben sie mich immer noch dahinter bewacht.“
„Das hatte ich aber auch. Denen ist es egal, ob man Weizen oder Eisen verkaufen will, die nehmen sich immer das gleiche!“
„Und habt ihr mal gesehen, wie gut die sich das gehen lassen? Bei denen ist auch fast immer ein Fest, da ist nichts mit Sparsamkeit. Würde mich nicht wundern, wenn die nicht mal was nehmen müssen, die machen das trotzdem, und wenn bloß, um auch immer saufen zu können.“
Breon setzte sich dazu und redete mit den Männern über die Mauer und was die Soldaten doch alles tun würden, was sie nicht durften. Nach einigen Stunden, es war schon lange dunkel, verabschiedete sich der letzte Mann und Breon war wieder alleine.
Ansgar Jörg, 20.10.2017
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Freitag, 29. September 2017

Die Geschichte der Wälder III

Die Südlande waren schon immer weit.
Weit und öde.
Hier und da lag ein kleines Dorf, doch Festungen oder Städte gab es nur an den Rändern.
Argiros konnte gerade genug Siedlungen auf seinem Weg finden, um sein Pferd zu versorgen und sich selbst hin und wieder Essen einzupacken.
Entsprechend froh war er, als die Feste von Kana sich am Horizont abzeichnete.
Kana war schon vor den großen Ostkriegen gebaut worden und war entsprechend eins der letzten Abbilder alter Macht.
Sie war aus weißem Stein gebaut und hatte blaue-rote Dächer auf den Türmen und Häusern. Gerüchte besagten sogar, dass einige Tische der Generäle aus verstärktem Gold gegossen worden waren.
Der mittlere Turm war groß wie ein Berg
Sie hatte schon vielen Belagerungen standgehalten und war, anders als die weiter nördlich liegende Festung Bonego oder die Ruine Aghif, auch noch nie eingenommen worden.
Als Argiros auf das riesige Tor zuritt, kamen einige Reiter in weißen Umhängen auf ihn zu. Er kannte keinen.
Ein fahrender Ritter?“, fragte der Größere.
Nein, ein Geschlagener dieser Feste. Ich erbitte den Zutritt.“, sagte Argiros, wie es ihm von uralten Texten vorgeschrieben war. Gleichzeitig zog er die Kette der Ritter aus seinem Kettenhemd und hielt sie hoch.
Die Reiter zuckten kurz zusammen.
Sehr wohl. Der Oberst erwartet Sie schon.“
Mit diesen Worten drehten sie um und begleiteten Argiros bis zum Eisentor.
Es öffnete sich fast lautlos und er ritt in die schwarze, kühle Dunkelheit der Festung.

Das Feuer brannte lichterloh.
Breon freute sich. Schon lange war es her, dass er eine Feier der Südländer hatte sehen können.
Sie waren sehr spektakulär und es gab immer genug zu trinken für alle, auch wenn es meist gegen Ende hin knapp wurde.
Es war schon spät, und Brogha würde wahrscheinlich bald seine Rede halten.
Breon nahm sich gerade einen weiteren Krug, da kam das Dorfoberhaupt auf ihn zu.
Ich habe Angst.“
Warum? Das ist ein normales Fest, eine normale Rede, da musst du keine Angst haben. Das hast du doch schon oft gemacht.“
Aber ich muss die Einwohner davon überzeugen, dass es sicherer ist, zu einer Stadt oder Feste zu ziehen. Du kennst sie nicht. Die sind starrsinnig wie ein Höhlengoblin. Niemals wird einer auch nur darüber nachdenken, hier wegzuziehen.“
Bis eine Horde hier ist, kannst du sie überzeugen, da bin ich ganz sicher. Du hast ein Talent für so was.“
Wie gesagt, niemals werden sie einen Ort verlassen, an dem Generationen vor ihnen ihr Leben gelebt haben. Mit diesen Häusern sind einfach zu viele Erinnerungen verbunden.“
Wenn die Horden ankommen, wird euer geringstes Problem das Erhalten der Häuser sein.“
Ich weiß, aber das einfache Volk ist nun mal dumm.“ Er lachte. „Nichts wird diese Schwachköpfe in der Mitte der Pampa davon überzeugen, in eine überfüllte Großstadt zu ziehen.“
Offensichtlich war er schon etwas angetrunken, denn nüchtern hätte er niemals die Einwohner seines Dorfes beleidigt.
Nach einigen Minuten ging Brogha wieder und Breon saß alleine auf seinem Hocker und dachte über die Lage nach.
Es stimmte. Die Goblins fielen schon lange über Dörfer her und Berichte von einer großen Armee aus dem Osten wurden immer häufiger. Selbst die Kana-Feste würde nicht ewig standhalten, und da konnten sich die Ritter noch so viele Geschichten über vergangene Zeiten erzählen.
Nichts war unzerstörbar und die königliche Armee war auch nicht unbesiegbar.
Die Lage war ernster, als sich die meisten eingestehen wollten. Breon musste nach Beihar reiten und den König davon überzeugen, dass eine Wachverstärkung nötig war. Er könnte auch den Fürsten des Südens bitten, seine Expeditionen wieder tiefer ins Land zu schicken.
Weiter konnte er nicht überlegen, denn in diesem Moment stieg Brogha auf das Rednerpult und begann seine Rede.
Sehr geehrte Bürger, sehr geehrter Breon. Wie sie vielleicht wissen, feiern wir heute den 6000. Gründungstag dieses Dorfes.“ Er redete noch lange über das Dorf und seine großartige Geschichte und seine Errungenschaften, bis er endlich zu seinem wichtigsten Punkt kam. „Und um diese Herrlichkeit und die Pracht auch noch weiter zu bewahren, schlage ich vor, dass wir zusammen zu einer Stadt ziehen, um den Angriffen der Goblins zu…“ Weiter kam er nicht, denn die versammelte Menge brach in Lärm aus.
Ansgar Jörg, 29.09.2017
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Freitag, 8. September 2017

Die Geschichte der Wälder II

Der folgende Morgen war kalt.
Nicht, dass es hier warm sein würde, aber heute fand Brogha, dass es besonders kalt
sei.
Er schloss die Tür hinter sich und setzte sich auf die Bank vor seinem Haus.
Was für ein schöner Anblick das doch sei, auch nach so vielen Jahren noch, dachte
er. Wie schade, dass er es bald verlassen müsste. Er würde es bedauern.

Mitten in seinen Überlegungen kam auf einmal Jemo dazu.
„Du bist ja früh auf! Hast du was vor?“
„Heute ist die Feier, und du weißt ja, dass die immer ziemlich anstrengend sind.“
„Du siehst das vollkommen falsch. Das wird lustig! Stell dir nur den ganzen Spaß
vor, den wir da haben werden. Du musst ja nicht immer Reden halten. Die strengen
dich zu sehr an!“
„Als Leiter des Dorfes habe ich leider einige Pflichten, und die kann ich nicht
einfach vernachlässigen. Du wirst mich eines Tages verstehen.“
„Klar doch!“ Er lachte kurz und ging dann weiter.
Brogha sah ihm nach. Wie dumm er doch war. Vielleicht hatte Breon recht.
Vielleicht sollte er Jemo das Leiten des Dorfes lehren. Aber es war so wenig Zeit...
Er blickte auf das Dorf herab. Die einzelnen Hütten waren wild verstreut, eine
Abgrenzung ließ sich nur an dem kleinen Holzwall erkennen. Und selbst dahinter
waren noch Häuser, Häuser neben Feldern, Wälder, weit entfernt die Umrisse der
Racé-Berge.
All das, und es war hoffnungslos. Keiner würde dieses Dorf mehr vor der nahenden
Dunkelheit retten können.
Vielleicht sollte er anordnen, dass alle in die nächste Stadt auswandern sollten.
Vielleicht sogar West-Beihar.
Aber das war sinnlos. Keiner der Einwohner würde freiwillig gehen wollen, selbst
wenn eine Armee Goblins auf der Ebene stehen würde.
Er seufzte.
Zeit, sich an die Arbeit zu machen.
Im Dorf gab es schon seit langem Gerüchte über die Feier.
80 war alt, selbst für einen Nordländer. Viele erwarteten, dass nun der alte Brogha
das Amt an Jemo abgeben würde, andere glaubten, er werde noch vorher sterben.
Als Letzteres nicht passierte, kamen neue Vermutungen auf; so war die Vorstellung
populär, dass er den Vorschlag bringen würde, in den sicheren Norden zu ziehen,
oder sich unter den direkten Schutz der Königreiche zu stellen.
Aber das war unwahrscheinlich; viele wussten nicht mal genau, ob es überhaupt
noch Königreiche gebe oder ob sie in den großen Magierkriegen untergegangen
wären. Eigentlich war nicht mal bekannt, wer bei den Kriegen gegen wen gekämpft
hat oder ob sie nicht immer noch stattfänden...
Wenn die Diskussionen an diesen Punkt kamen, wurde meist das Thema gewechselt,
weil keiner zugeben wollte, dass er keine Ahnung hatte.

Nicht mal die wenigen Händler, die in diese Region kamen, redeten viel mit den
Bewohnern und reisten lieber schnell ab.
Insgesamt war Wissen über die Außenwelt eher dünn gestreut, das eheste, was die
meisten noch wussten, war, dass das Dorf im Süden und die meisten Städte im
Norden waren.
So war es kein Wunder, dass der einzige von Außen, der länger blieb, ständig
ausgefragt wurde; Breon hatte seit Wochen kaum eine Minute für sich gehabt,
ständig war jemand in seiner Nähe und stellte Fragen.
Auch heute war das nicht anders.
Er betrat gerade die Halle in der Mitte des Dorfes, als auch schon einige der
Einwohner auf ihn zu kamen und ihre Fragen stellten.
Er schmunzelte belustigt und setzte sich an einen Tisch, wo er auf einige Fragen
einging.
Irgendwann kam sein Begleiter dazu.
„Ich muss übermorgen wieder nach Osten. Der Herr der Wache hat seine Soldaten in
der Ebene zurückgerufen.“
„Hab ich mir gedacht. Du hast gestern schon beunruhigt ausgesehen.“
„Die Goblins sammeln sich. Der Waldgang ist nicht mehr so sicher wie früher, Breon. Erst vor einigen
Wochen hat eine Expedition einige geplünderte Karawanen gefunden. Es kann nicht mehr lange dauern,
dann können auch die kaiserlichen Festungen den Süden nicht mehr halten. Dieses Dorf ist weniger
sicher, als seine Bewohner glauben.“
„Ich weiß, und Brogha weiß es auch. Aber niemals würde irgendwer hier die scheinbare Sicherheit
verlassen und in den Norden ziehen. Das weißt du.“
„Ja, leider. Diese Hinterwäldler sind dem Untergang genauso geweiht wie der Turm von Tiol. Nichts
kann die Goblinhorden aufhalten, wenn sie einmal die Festungen gebrochen haben.“
„Nichts, außer einer einzigen, gut ausgebildeten Armee.“
„Wir wissen beide, dass keiner der sogenannten Könige eine Armee gegen die Goblins schicken würde,
wenn die nicht direkt vor ihrer Tür stehen.“
Breon nickte und wandte sich wieder den Dorfbewohnern zu, die wieder begannen,
ihre Fragen zu stellen.
Der Soldat stand auf und ging langsam heraus, schob die schwere Tür weg und stapfte auf das
Tor zu.

Ansgar Jörg, 08.09.2017
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Sonntag, 3. September 2017

Ausflug ins DESY der 10L

Jeder 10. Jahrgang kommt in den Genuss einer Exkursion in ein Labor, in dem man Versuche um den Atomaren Zerfall durchführt. Da das letzte Schülerlabor an Qualität verloren hatte, waren wir der erste Jahrgang, der in das DESY ging.
DESY steht für Deutsches Elektronen Synchrotron, da in der Laboranlage in Hamburg durch Teilchenbeschleuniger Elektronen und Protonen beschleunigt werden und zum kollidieren gebracht werden. Durch die Kollisionen wurden früher neue Elemente erforscht. Da der Teilchenbeschleuniger heute aber zu klein ist, erforscht man nun den Aufbau von Proteinen.
Wir bekamen zum Missfallen der Klasse leider keinen der Teilchenbeschleuniger zu Gesicht. Wir machten verschiedene Versuche zum radioaktiven Zerfall, welche das Thema weiter ausführten. Teil des Ausflugs war die Nebelkammer, welche die Flugbahnen von Alpha- und Beta-Teilchen zeigte. Der Besuch im DESY war kostenlos. Zu bezahlen waren nur die Busfahrt und das Essen (das ausgesprochen gut war). Nachdem wir dann die Ergebnisse über die 5 verschiedenen Versuche verglichen hatten, war der Besuch vorbei. Wir werden im Unterricht aber noch einige Stunden über die Ergebnisse diskutieren.

Bernd Stüven, 01.09.2017
Verantwortlich für diesen Inhalt: das komplette Team
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